Christliche Biker feierten

Rund 1.500 Motorradfahrer und Motorradfans haben am Sonntagvormittag (05.09) unter ...

 

... der Überschrift "Kriegst du die Kurve?" einen stimmungsvollen Biker-Gottesdienst vor der beeindruckenden Industriekulisse des Welterbes Kokerei Zollverein gefeiert; am anschließenden Friedenskorso durch mehrere Städte des Ruhrgebiets nahmen den Angaben zufolge über 800 Motorräder teil.

Die imposante Industriekulisse, die sich in den letzten Jahrzehnten
dramatisch gewandelt habe, sei wie kaum ein anderer Ort geeignet, um über
die Kurven und Wendepunkte im eigenen Leben nachzudenken, erklärte Pfarrer
Heiner Mausehund aus Königssteele in seiner Predigt das Motto der
Veranstaltung. Neben Essens Oberbürgermeister Reinhard Paß, Superintendent
Irmenfried Mundt und dem Vorsitzenden des Vorstandes der Stiftung
Zollverein, Hermann Marth, nahm auch Nikolaus Schneider, Präses der
Evangelischen Kirche im Rheinland und Ratsvorsitzender der Evangelischen
Kirche in Deutschland, am Gottesdienst teil. Und gerade letzterer traf auf
Anhieb den richtigen Ton: Nicht nur, dass sich der Präses als ehemaliger
Biker zu erkennen gab - Schneider fuhr seinerzeit eine 250er BMW aus dem
Baujahr 1954 -, in bewegenden Worten schilderte der Theologe auch, wie er
mit seinem Motorrad einmal nur um Haaresbreite einem schweren Unfall
entging. Und als Schneider über den Tod seiner Tochter sprach und wie ihm
der Glaube trotz großer Fassungslosigkeit in dieser "Kurve des Lebens"
weiterhalf, hätte man eine Stecknadel fallen hören können.

Kurz darauf hielt das Kulturhauptstadt-Kreuz der Kirchen und Bistümer in
Nordrhein-Westfalen Einzug; stilecht im Beiwagen wurde es in die Mitte vor
den Altar gefahren. Besonders eindrucksvoll auch die Szene, als Biker für
auf der Straße verunglückte Freundinnen und Freunde eine Kerze entzündeten
und ein stilles Gebet sprachen. Nicht einmal die eigentlich eher für ihre
Härte und Gewalt bekannten "Bandidos", die knatternd auf das Gelände
gefahren kamen, konnten sich der stimmungsvollen Atmosphäre ganz entziehen:  Auch sie gehörten an diesem Tag irgendwie mit dazu und wurden von  Mit-Organisator Pfarrer Rolf Zwick von der Bühne herab willkommen geheißen.

Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes hatte die christliche
Rockgruppe "Queen and the Gang" übernommen; eine Pantomime und ein kurzes  Anspiel setzten das Thema des Gottesdienstes gekonnt in Szene.

Krönender  Abschluss und Höhepunkt war dann aber der große Friedenskorso, der rund eineinhalb Stunden bei strahlendem Sonnenschein durch mehrere Städte des Ruhrgebiets führte. Benzindunst, Auspuffqualm und der Lärm startender Motoren erfüllten für einige Minuten das Gelände der früheren Kokerei, als sich Maschine um Maschine unter den umsichtigen Augen der zahlreichen Helfer auf den Weg durch das alte Industrieareal machte...

Schon am Samstag hatten mehrere hundert Biker und Bikerinnen den Weg auf das Gelände der ehemaligen Kokerei Zollverein gefunden: Große Motorradmarken präsentierten ihre Neuheiten und das eine oder andere "alte Schätzchen", die Polizei warb um mehr Sicherheit im Straßenverkehr, natürlich wurde ausgiebig gefachsimpelt und manches Wiedersehen gefeiert.

18 begleitete Motorradtouren führten zu alten Zechen, Halden und Kirchen, bevor zwei Rockbands, ein Gospelchor aus Wiehl und der afrikanische "Lighthouse Fellowship Choir" aus Mülheim die Biker noch lange am Abend zum Tanzen brachten.

Für den Vorbereitungskreis um die beiden Essener Pfarrer Heiner Mausehund und Rolf Zwick war das christliche Biker-Festival auch eine willkommene Möglichkeit, das Bild der Biker in der Öffentlichkeit etwas differenzierter zu zeichnen: "Motorradfahrer werden vielfach mit Bandenkriminalität und Rowdytum in Verbindung gebracht. Unser Festival hat gezeigt, dass Biker trotz Lederkluft und glänzendem Chrom auch ganz anders sein können, nämlich sanft und sensibel - und manchmal sogar fromm."

Die Idee für das Festival, das Teil des evangelischen Programms zur  Kulturhauptstadt Ruhr.2010 war, hatte die Christliche Motorrad-Gruppe
Königssteele - sie veranstaltet in jedem Jahr ein Biker-Treffen mit
Gottesdienst, Live-Musik und einem Korso im Essener Stadtteil Steele.
Schnell war es dem Königssteeler Pfarrer und passionierten Motorrad-Fan
Heiner Mausehund, gelungen, eine ganze Reihe von Unterstützern zu gewinnen: Etwa die "Flying Angels" der baptistischen Gemeinde in Essen-Altendorf, den Motorrad-Stammtisch der Evangelischen Jugend Weigle-Haus e.V. und die "Blue Knights Germany XVI" der Polizei Essen. Die Schirmherrschaft über das Festival hatte die Polizeipräsidentin für Essen und Mülheim an der Ruhr,
Stephania Fischer-Weinsziehr, inne. Außerdem waren die Motorradfahrerarbeit
der Evangelischen Kirche im Rheinland, die "Biker's Church Westfalen" und
weitere Motorradorganisationen an der Durchführung beteiligt. Der
Veranstaltungsetat in Höhe von etwa 30.000 Euro wurde nahezu komplett durch Sponsoren aufgebracht; der Kirchenkreis Essen trug insbesondere die Kosten für das nach dem Unglück bei der "Loveparade" noch einmal erweiterte
Sicherheitskonzept.

Veranstalter: Kirchenkreis Essen / Kooperationspartner: Aktion Blauer Punkt
der Evangelischen Kirche im Rheinland, Biker's Church von Westfalen, GMD der
Evangelischen Kirche im Rheinland, Evangelische Kirchengemeinde
Königssteele, Blue Knights Germany XVI e.V. der Polizei Essen, Christliche
Motorradgruppe Königssteele, Christliche Motorrad-Gruppe Oberhausen, Flying
Angels (Baptistische Gemeinde Essen-Altendorf), Motorrad-Stammtisch des
Weigle-Hauses Essen, EC-Motorradfahrer Siegerland, Motorradfahrer im CVJM
Westbund, Biker in der Bundespolizei, Abteilung "Kirche in der Freizeitwelt"
der Evangelischen Kirche im Rheinland, Aktion Blauer Punkt Waldbröl, CVJM
Neviges.

 

Text: Pressestelle Kirchenkreis Essen

Fotos: Willi Schulte

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